Anwenderbericht: Wieland – Bruse

GMS-Mitglieder profitieren vom fachlichen Austausch im Netzwerk

Foren und Workshops, Werkstoffuntersuchungen und GMS-Werkstoffliste

Wann ist ein Sanitärbauteil für den jahrzehntelangen sicheren Betrieb in der  Trinkwasserinstallation geeignet? Diese Frage beschäftigt nicht nur Hersteller, sondern zunehmend auch den SHK-Fachhandel und das Handwerk. Spätestens seit dem Inkrafttreten der UBA-Liste als rechtsverbindlicher Bewertungsgrundlage im April 2017 steht die Haftung für die rechtskonforme Trinkwasserinstallation mehr denn je im Mittelpunkt. Um die eingangs gestellte Frage zu beantworten, genügt es allerdings nicht, einen Blick die Hygieneliste des Umweltbundesamtes (UBA) zu werfen. Denn die UBA-Liste führt nur metallene Werkstoffe auf, die ihre „hygienische Eignung“ für Trinkwasseranwendungen bewiesen haben. Gleichermaßen bedeutsam ist die technische Eignung von Werkstoffen, insbesondere in Bezug auf die Korrosionsbeständigkeit. Die Frage nach dieser technischen Eignung beantwortet die Werkstoffliste des Gesamtverbandes Messing-Sanitär (GMS). Sie ist das Ergebnis von Werkstoff-Langzeittests, welche die GMS-Mitglieder gemeinsam durchführen.

1997 wurde der GMS von Vormaterial- und Bauteilherstellern als Gütegemeinschaft gegründet. Pünktlich zum 20-jährigen Jubiläum erfolgte in 2017 die Neugründung und Neuausrichtung als Gesamtverband Messing-Sanitär. Dieser richtet sich nun an einen deutlich erweiterten Kreis von Interessenten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ziel der Gründung im Jahr 1997 war es, eine Plattform für den regelmäßigen fachlichen Austausch zu etablieren, um Fragen der Werkstoff-qualität und -verarbeitung gemeinsam zu erörtern. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Mit dem wertwollen Input aus dem Erfahrungsaustausch konnten die Qualitätsverantwortlichen der GMS-Mitgliedsunternehmen ihre eigenen Qualitäts-Standards optimieren. Bereits kurz nach der Gründung kam die Idee auf, die Untersuchung von Sanitärwerkstoffen auf ihre Korrosionsbeständigkeit hin gemeinsam in Auftrag zu geben. Hierbei werden bei neutralen Prüfinstituten ausgewählte Legierungen in 52- oder 104-Wochen-Tests in korrosiven Gewässern wissenschaftlich untersucht. „Diese Langzeittests sind technisch aufwändig und kostspielig, so dass kaum ein Produzent eine solche Analyse im Alleingang realisieren kann“, sagt Tobias Partl vom Halbzeughersteller und GMS-Gründungsmitglied Wieland-Werke AG aus Ulm. „Doch im Rahmen des GMS können solche Untersuchungen von allen GMS-Mitgliedern gemeinsam finanziert werden. Die Ergebnisse kommen dann allen Mitgliedsunternehmen zugute – das ist ein großer Vorteil des Netzwerkes“, so Partl, der das technische Marketing im Wieland-Geschäftsbereich Press- und Ziehprodukte verantwortet.

GMS-Werkstoffliste als Branchenstandard
Im Laufe der Jahre führten die gewonnenen Erkenntnisse und deren Beurteilung im technischen Ausschuss des Verbands zur Entwicklung der GMS-Werkstoffliste. Diese Liste ist mittlerweile als Branchenstandard anerkannt und wird sogar von Gutachtern bei Schadensfällen als Referenz genutzt. „Die Werkstoffliste hat für uns als GMS-Mitgliedsunternehmen auch in der Vermarktung unserer Sanitär-Produkte eine zentrale Bedeutung“, sagt Stefan Schröer, Leiter Produktmanagement beim Attendorner Bauteil- und Armaturenhersteller Bruse GmbH & Co. KG. „Für alle Produkte aus Werkstoffen, die auf der GMS-Werkstoffliste stehen, ist die langfristige technische Eignung gegeben. Die gilt analog zur UBA-Liste, welche die hygienische Eignung bescheinigt. Somit sind unsere Kunden mit Erzeugnissen aus Werkstoffen, die auf der GMS– und UBA-Liste stehen, auf der sicheren Seite – sowohl bei der Hygiene als auch bei der Korrosionsbeständigkeit.“

Ein weiterer Vorzug der Zusammenarbeit im GMS zeigt sich beim Erfahrungsaustausch in Bezug auf den Einsatz der Produkte. So berichten GMS-Mitglieder im technischen Ausschuss von Fallbeispielen aus der Bearbeitung von Reklamationen. Hier wird den Ursachen für technische Mängel nachgegangen, wobei sich oftmals herausstellt, dass es am fehlerhaften Umgang mit dem Werkstoff bei der Installation lag. „Bei der Analyse von Bauteilen kommen wir häufig zum Ergebnis, dass beispielsweise Presswerkzeuge nicht fachgerecht eingesetzt wurden und zuviel Druck zu einem Korrosionsschaden geführt hat“, erläutert GMS-Geschäftsführer Hilbert Wann. „Der fachliche Austausch zu diesen Realfällen hilft unseren Mitgliedern im Reklamationsmanagement und auch in der Beratung – im Sinne einer Schadens-Prävention beim Einsatz von Sanitärbauteilen.“

Workshops und GMS Forum
Der fachliche Austausch erstreckt sich dabei nicht allein auf die technischen Gremien des GMS. Die Expertengespräche erfolgen auch innerhalb von Workshops für Mitglieder, wo einzelne technische Themen im kleineren Kreis diskutiert werden, sowie im jährlich stattfindenden Forum GMS. Letzteres Fachforum hat sich mittlerweile als branchenweit anerkannte Diskussions-Plattform für das Thema Trinkwasserhygiene etabliert. Hier werden die neuesten Erkenntnisse zur Qualitätssicherung sowie die aktuellen regulativen Vorgaben der Fachöffentlichkeit präsentiert und mit den Gästen sowie Vertretern der Fachpresse intensiv diskutiert. Zu den regelmäßig vortragenden Referenten gehören neben den GMS-Mitgliedern auch Vertreter der SHK-Handwerksverbände, das Deutsche Kupferinstitut (DKI), das Umweltbundesamt (UBA) sowie weitere Experten aus Politik, Verwaltung, Industrie und Fachhandel.

Erkenntnisgewinn für das Qualitätsmanagement
Die in den GMS-Treffen gewonnenen Erkenntnisse lassen Mitgliedsunternehmen auch in ihr Qualitätsmanagement einfließen. Dabei hat es sich als hilfreich erwiesen, dass sich Vormateriallieferanten die Wieland mit ihren Kunden wie Bruse in den Gremien des GMS regelmäßig an einem Tisch sitzen. Denn so können technische Themen besprochen werden, welche die gesamte Lieferkette betreffen. Das Spektrum reicht von der metallurgischen Zusammensetzung von Legierungen bis zum Härtegrad von Messingstangen – letzterer ist maßgeblich für eine optimale zerspanende Bearbeitung. „Die Optimierung der Bauteilequalität liegt im Interesse der gesamten Lieferkette und der regelmäßige fachliche Austausch bringt hier alle Beteiligten weiter“, betont Bruse-Marketingleiter Stefan Schröer.Die Arbeit im GMS hilft uns, die Produktionsprozesse nicht nur aus Perspektive eines einzelnen Unternehmens zu sehen, sondern eine Marktsicht zu entwickeln, welche die gesamte Supply Chain abdeckt“, ergänzt Tobias Partl von der Wieland-Werke AG. Dies war beispielsweise bei der Herstellung bleifreier Sanitär-Bauteile aus der siliziumhaltigen Messinglegierung CW 724 von Bedeutung. Für die unter anderem von Wieland hergestellte bleifreie Legierung sind die Anforderungen beim Materialhandling höher als bei herkömmlichem Messing. Dazu gehörte zum Beispiel die Umstellung auf andere Bearbeitungswerkzeuge oder das Vorhalten eines getrennten Recyclingkreislaufs.

Fallbeispiel Herstellung bei Wieland und Bruse
Ausgangspunkt der Produktion ist die Herstellung von Vormaterial, aus dem dann Sanitärbauteile und/oder komplette Trinkwasserarmaturen gefertigt werden. Diese Produktionskette soll im Folgenden am Beispiel des Halbzeugherstellers Wieland und seines Kunden Bruse dargestellt werden.

An ihrem größten Produktionswerk im bayerischen Vöhringen stellt die Wieland-Werke AG sowohl die Legierungen als auch das Stangenmaterial für die Sanitärerzeugnisse her. Messing-Legierungen mit hohem Kupferanteil stellen die metallurgische Basis für die Sanitärmessinge dar, wobei 70 Prozent der eingesetzten Metalle aus dem Recycling kommen. Nach der Eingangsprüfung werden die Rohstoffe freigegeben für den Guss der bis zu 200 Kilogramm schweren Bolzen. Die Fertigung der Stangen erfolgt durch das Warmpressen dieser Bolzen mit hydraulischen Pressen. Die Stangen werden von Wieland mit eigenem Werkzeug für Drehereien oder für das anschließende Warmpressen produziert. Nach der Anlieferung der Wieland-Stangen im Bruse-Hauptwerk in Attendorn werden diese hier zunächst endabmessungsnah in sogenannte Butzen auf die gewünschte Länge gesägt und für den Schmiedeprozess erwärmt. Um die Funktionssicherheit zu erhöhen, werden die geschmiedeten Bauteile von Bruse nach dem Abkühlen durch eine abschließende Wärmebehandlung (Glühen) auf den gewünschten Härtegrad eingestellt. Erst nach diesem Glühvorgang erfolgt die Weiterverarbeitung der Warmpressteile zur endgültigen Bauteil-Form.