Anwenderbericht: Otto Fuchs Dülken

Zukunftsfähige Sanitärwerkstoffe: Technischer Ausschuss des GMS bietet Mitgliedern eine Austausch-Plattform

GMS-Mitglieder wie Otto Fuchs Dülken bringen Praxiserfahrung ein – Input für die Optimierung der eigenen Produktion

Bolzen für die Stangenproduktion
Bild 1 – Bolzen für die Stangenproduktion (Bild: Otto Fuchs Dülken)

Ein wesentlicher Treiber im Markt für Sanitärbauteile ist die Trinkwasserverordnung – und darauf basierend die Hygieneliste des Umweltbundesamtes (UBA), die seit April 2017 als Bewertungsgrundlage rechtsverbindlich ist. Doch die UBA-Liste enthält nur „hygienisch geeignete“ metallene Werkstoffe. Die Frage der technischen Eignung von Sanitär-Werkstoffen und -Bauteilen, insbesondere in Bezug auf Korrosionsbeständigkeit, beantwortet die Werkstoffliste des Gesamtverbandes Messing-Sanitär (GMS).

Proben im Labor
Bild 2 – Proben im Labor (Bild: Bruno Lukas)

Nur jene Sanitärbauteile können uneingeschränkt empfohlen werden, die aus auf beiden Listen aufgeführten Werkstoffen hergestellt sind. Der GMS fördert in seinem Technischen Ausschuss die Entwicklung dieser zukunfsfähigen Werkstoffe. Hier treffen sich Hersteller von Vormaterial und Bauteilen, um sich zu technischen Standards auszutauschen und so die Qualität hochwertiger Messingbauteile für Trinkwasseranwendungen zu sichern. Neben der GMS-Werkstoffliste setzte der Gesamtverband mit dem Härtegrad 110 HB sowie den Langzeit-Korrosionstests in den vergangenen 20 Jahren technische Maßstäbe. GMS-Mitglieder wie Otto Fuchs Dülken GmbH & Co. KG nutzen den Technischen Ausschuss, um mit den hier gewonnenen Erkenntnissen ihre Produktion zu optimieren.

Materialprobe aus der Gießerei
Bild 3 – Materialprobe aus der Gießerei (Bild Bruno Lukas)

Ziel: Technische Regelwerke
Der Fachverband GMS wurde 1997 von einer Reihe von Halbzeug- und Bauteilherstellern gegründet. Der Vormaterialhersteller Otto Fuchs war Gründungsmitglied. Damals wie heute war der fachliche Austausch vor dem Hintergrund der sich immer weiter verschärfenden Trinkwasser-Legislative ein zentraler Aspekt für die Gründung und Mitwirkung im GMS. Das wichtigste Anliegen der GMS-Mitglieder war jedoch das Ziel, technische Richtlinien zu entwickeln und zu vereinbaren, welche die Qualität der Sanitärwerkstoffe und der daraus hergestellten Bauteile optimieren und langfristig sichern. Hierbei ging es vor allem darum, die Spannungsrisskorrosion zu minimieren und die Entzinkungsbeständigkeit der Bauteile zu erhöhen. Im Laufe der Jahre erarbeiteten die GMS-Mitglieder technische Regelwerke wie die mittlerweile branchenweit anerkannte GMS-Werkstoffliste. Basis hierfür waren unter anderem gemeinsam in Auftrag gegebene Langzeit-Korrosionstests für Sanitärbauteile bei unabhängigen Prüfinstituten.

Stangenfertigung
Bild 4 – Stangenfertigung (Bild: Otto Fuchs Dülken)

Wichtig: Die korrekte Handhabung
„Wir haben in umfangreichen Untersuchungen herausgefunden, dass sich die Spannungsrisskorrosion mit der entsprechenden Einstellung des Härtegrades minimieren lässt“, sagt Hubert Schlottbom, Leiter Qualitätswesen bei der Otto Fuchs Dülken GmbH & Co. KG. „Dank der im GMS vereinbarten technischen Richtlinien ist dieses Korrosionsbild heute kein Thema mehr. Dennoch ist es wichtig, dass wir seitens des GMS weiterhin Aufklärungsarbeit betreiben, denn eine nicht fachgerechte Montage kann auch bei hochwertigen Bauteilen vereinzelt Spannungsrisskorrosion (SPRK) fördern. Dies kann passieren, wenn z.B. das Verbauen von Hahnverlängerungen mit dem falschen Werkzeug oder zu viel Drehmoment erfolgt.“ Hier adressiert der GMS die Sanitär-Installationsbetriebe mit Anleitungen und Tipps zur fachgerechten Montage. Die Korrosions-Propylaxe ist entscheidend, denn die Frage der Haftung betrifft nicht nur den Bauteilhersteller, sondern auch das Handwerk.

Stangenfertigung
Bild 5 – Stangenfertigung (Bild: Otto Fuchs Dülken)

Technische und hygienische Eignung betrachten
Neben der SPRK sind die Entzinkungsbeständigkeit und die hygienische Eignung von Sanitärwerkstoffen die beiden dominanten Themen im technischen Ausschuss des GMS. Dank der Langzeittests können die Mitgliedsunternehmen auf Basis der GMS-Werkstoffliste moderne Werkstoffe empfehlen, die unempfindlicher sind gegen Entzinkung und gleichzeitig – wie von der Trinkwasserverordnung gefordert – mit weniger Blei auskommen. Zwar ist Blei als klassischer „Spanbrecher“ für die zerspanende Bearbeitung sehr bedeutsam. Allerdings galt es, aufgrund der von der Trinkwasserverordnung geforderten Bleireduktion, gesetzeskonforme Alternativen zu finden. Eine solche Alternative, die von Otto Fuchs hergestellt wird, ist beispielsweise der bleifreie, siliziumbasierte Werkstoff CW 724R. „Bei der Identifizierung von Alternativen mussten wir die Hygiene und die technische Eignung gleichermaßen im Blick haben – und zwar nicht nur für einzelnen Bauteile, sondern für das gesamte Leitungssystem“, erläutert Hubert Schlottbom. „Mit CW 724R erfüllen wir alle wichtigen Kriterien: der Werkstoff ist beständig gegen Spannungsrisskorrosion sowie Entzinkung und dank dem Silizium-Zusatz gleichzeitig sehr gut zerspanbar.“ Damit lag es für Otto Fuchs auf der Hand, den Werkstoff ins Portfolio der Sanitärlegierungen aufzunehmen – auch wenn die Produktion mit größerem Aufwand verbunden ist. Denn der Werkstoff muss mit eigens entwickeltem Werkzeug bearbeitet werden und die Legierungszusammensetzung erfordert einen getrennten Recyclingkreislauf.